Google Glass und das Erfolgsgeheimnis des IoT

11th December 2017
Posted By : Alice Matthews
Google Glass und das Erfolgsgeheimnis des IoT

Google Glass, eines der scheinbar vielversprechendsten, jedoch letztendlich gescheiterten technologischen Produkte dieses Jahrzehnts, ist zurück. Es ist jedoch nicht für Sie oder mich, sondern ausschließlich für Unternehmenskunden verfügbar. Bei dieser neuen Version von Google Glass, der sogenannten Enterprise Edition, hat Google aus seinem Misserfolg gelernt. Vielleicht zeigt sie auch, dass es mehr braucht als nur „coole“ Technologie, um auf dem aufstrebenden IoT-Markt erfolgreich zu sein.

Mark Patrick, Mouser Electronics

Die Geschichte von Google Glass
Google Glass wurde 2012 vorgestellt, und die Spannung vor seiner Markteinführung war förmlich greifbar. Schließlich war es das erste Wearable seiner Art – nicht nur ein Fitnesstracker oder eine Armbanduhr, sondern eine Super-Brille, die das Leben leichter macht. Sie enthielt ein Mikrofon, eine Videokamera und ein Head-up-Display, das Informationen anzeigen konnte, ohne die Sicht einzuschränken.

Nutzer konnten Informationen abrufen und die Einheit per Sprachbefehl oder über ein Touchpad an der Seite des Geräts steuern. Sie konnten ihre Umgebung aufnehmen, unterwegs E-Mails checken und zu Navigationszwecken auf Google Maps zugreifen. Zudem konnten sie im Internet surfen, ohne ihr Smartphone rauszuholen.

Alles wirkte so vielversprechend, aber Google Glass stieß bald auf einige ernsthafte Hindernisse. Bei der Einführung war es voller Programmierfehler. Außerdem sah es seltsam aus, und es gab ernstzunehmende Bedenken bezüglich Datenschutz und Sicherheit. Menschen wurden misstrauisch gegenüber sogenannten „Glassholes“ und machten sich Sorgen, dass Träger von Google Glass sie unauffällig filmen könnten. Restaurants und Bars fingen an, das Gerät zu verbieten. Weil Autofahrer beim Tragen des Geräts abgelenkt sein könnten, wurden auch Vorschriften erlassen, die das Tragen von Glass während des Fahrens verboten. Das vermutlich größte Manko war jedoch, dass Google Glass für die meisten Menschen keinen wirklichen Zweck erfüllte. Es war nicht mehr als ein ausgefallenes technisches Spielzeug, mit dem man seine Freunde beeindrucken konnte. Keine seiner Funktionen konnte die Verkäufe in die Höhe treiben. Die wenigsten Nutzer kaufen ein ausgefallenes Spielzeug, nur um unterwegs ihren Facebook-Status zu aktualisieren. Angesichts des öffentlichen Widerstands zog Google dem Projekt 2015 diskret den Stecker.

Eine neue Strategie
Google Glass verschwand zwar aus dem Blickfeld der Öffentlichkeit, in Unternehmen und im industriellen Umfeld wurde es jedoch weiterhin genutzt. Für Verbraucher war Google Glass kaum mehr als ein nettes Spielzeug, während sich in Rechenzentren, Produktionsstätten und Lagerhäusern von Unternehmen zeigte, dass es in der Geschäftswelt echten Mehrwert schaffen konnte.

Privatnutzer verwendeten Google Glass, um Facebook zu checken oder ihren Twitter-Feed zu verwalten. Geschäftliche und industrielle Nutzer dagegen setzten es für weitaus wichtigere Aufgaben ein – zum Beispiel zum Aufrufen einer detaillierten Anleitung zur Montage eines Flugzeugmotors. Im Gewerbesektor zeigte sich bald, dass die Produktivität durch den freihändigen, sofortigen Zugriff auf Informationen enorm gesteigert werden konnte. Ein Arbeiter in einer Produktionsstätte könnte zum Beispiel einen Vorgang Schritt für Schritt per Stimmbefehl durchführen und muss seine Tätigkeit nicht unterbrechen, um Informationen auf einem Computer oder Tablet nachzuschlagen. Und bei Problemen mit bestimmten Teilen – oder auch zu Dokumentationszwecken – könnte er problemlos ein Foto machen und es an seine Kollegen schicken, um Rat einzuholen.

In der Lagerhaltung könnten Arbeiter Codes von Paketen scannen und sofort sehen, wo sie auf einem Wagen am besten platziert werden und wohin dieser Wagen transportiert werden muss. Alle Informationen könnten in Echtzeit kommuniziert und aktualisiert werden. Für Unternehmen birgt Google Glass viele Vorteile. Hersteller von Landwirtschaftsmaschinen wie AGCO könnten ihre Produktionszeit für Maschinen um 25 % senken, und Logistikunternehmen wie DHL halten eine Effizienzsteigerung um 15 % für möglich.

Wir haben verstanden
Durch den Misserfolg von Google Glass auf dem Endverbrauchermarkt konnten Hersteller von IoT-Geräten wichtige Erkenntnisse gewinnen. Egal wie attraktiv ein neues technisches Gerät ist – ohne zuverlässigen Anwendungsfall, von dem der Kunde einen wirklichen Nutzen hat, wird es kaum erfolgreich sein. Als ein Anwendungsfall im Geschäftsbereich gefunden wurde, stellte sich der Erfolg ein. Deshalb hat Google jetzt eine neue, aktualisierte Version von Glass speziell für Unternehmen entwickelt. Die neue Version trägt den Namen Google Glass Enterprise Edition und dient ausschließlich zur kommerziellen Verwendung. Nach einer Überarbeitung kann sie nun mit einer Brille oder Schutzbrille getragen werden. In Kombination mit Software der Glass Partners von Google kann sie Anwendungen in der Medizin, Fertigung, Logistik oder anderen Bereichen unterstützen, die von Augmented Reality und freihändiger Datenverarbeitung profitieren.

Mit Glass hat Google gezeigt, dass nicht die Technologie den Erfolg auf dem Markt bestimmt, sondern Funktionen, die den Anforderungen von Kundenanwendungen entsprechen. Das Unternehmen hat sich von dem potenziellen Umsatzvolumen des Marktes für Unterhaltungselektronik blenden lassen und ein Produkt entwickelt, ohne sich zu fragen, ob Verbraucher es wirklich benötigen. Für normale Verbraucher ist der freihändige Zugriff auf Informationen und Aufnahmefunktionen ein nettes Extra. Doch für viele Unternehmenskunden macht gerade das einen greifbaren geschäftlichen Mehrwert aus.

Der Markt für IoT-Geräte wird immer größer. Doch Hersteller dürfen nicht einfach nur tolle Geräte auf den Markt bringen und hoffen, dass sich die Technologie von selbst verkauft. Sie müssen gezielt Geräte für bestimmte Anwendungsbereiche entwickeln, die eine vorhandene Anforderung erfüllen. Statt mehr 'intelligenter' Thermostate benötigt der Markt mehr industrielle Sensoren für Öl- und Gasplattformen sowie 'intelligente' Landwirtschaft und Produktion. Statt mehr Bluetooth-Trackern benötigen wir bessere Nachverfolgungs- und Telematiksysteme im Logistik- und Transportbereich. Statt mehr vernetzter Waschmaschinen benötigen wir vernetzte Fertigungslinien und Lagerhäuser. Traditionell wurde ein Produkt zunächst entwickelt und sein geschäftlicher Wert erst später hinterfragt. Bei dieser neuen Strategie stehen der Kunde und die Industrie im Mittelpunkt, und Google hat gezeigt, dass dies im Bereich IoT zum Erfolg führen kann.





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